Uni-Logo

Grußworte

Einhundert Jahre Deutsches Volksliedarchiv - Neugründung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik

 
Theresia Bauer MdL
M
inisterin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg

theresia_bauer.jpg 
  

 „Niemand weiß, ob eine Nachricht von Bedeutung ist, bevor nicht 100 Jahre vergangen sind.“ (Friedrich Nietzsche)

Dass die Nachricht von der Gründung des Deutschen Volksliedarchivs durch Prof. Dr. John Meier im Mai 1914 eine gute Nachricht sein würde, war sicherlich nicht von Beginn an ausgemacht. Die Erhebung der Popularmusik in den Status eines wissenschaftlichen Sammlungs- und Forschungsobjekts, die Anwendung damals neuer wissenschaftlicher Methoden, der interdisziplinäre Ansatz, all dies war risikobehaftet. In einer guten Spannung zwischen Kontinuität und Erneuerung entwickelte sich das Institut mit seinen Sammlungen weiter - ab 1953 als Schenkung an das Land Baden-Württemberg - und gelangte zu seiner heutigen singulären Stellung in der regionalen wie überregionalen Forschung zur populären Musikkultur. Seine Arbeit ist unverzichtbar, um den musikalischen Reichtum Deutschlands zu dokumentieren und zu reflektieren.

Ein großes Potenzial, das die Universität Freiburg auch künftig ausschöpfen wird - nun unter der Bezeichnung „Zentrum für Populäre Kultur und Musik“. Die neuen Möglichkeiten des Zentrums, vor allem zu interdisziplinärer Arbeit sowie zum Aufbau eines übergreifenden Netzwerks, werden gute Früchte tragen.

Zum 100jährigen Jubiläum wissen wir: Die Nachricht von der Gründung des Deutschen Volksliedarchivs war von Bedeutung. Ich danke allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, sehr herzlich und wünsche dem Zentrum eine fruchtbare Weiterentwicklung, die uns auch in Zukunft gute und bedeutende Nachrichten bescheren möge.


Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer,
Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

hans-jochen_schiewer.jpg  
Foto: Universität Freiburg, Schilling
 


Die Universität Freiburg ist stolz auf das DVA, das es in den hundert Jahren seines Bestehens geschafft hat, nicht nur im Sinne grundlegender historischer Liedforschung Bedeutendes zu leisten, sondern das immer auch innovativ war und stets neue Wege wie Perspektiven erkundet hat.

Nun wird diese bemerkenswert produktive Erkundung noch unbegangener Wege durch das Material und die Ausgangssituation des DVA zweifellos begünstigt: Gegründet vom Germanisten und Volkskundler John Meier versammelt das DVA plurimediale Sammlungen zur Liedrezeption sowie eine Lieddokumentation mit mehr als 20.000 Arbeitsmappen, eine einmalige Sammlung und Dokumentation gedruckter Liedflugblätter und Liedflugschriften seit der Frühen Neuzeit, Liederbücher (15. bis 20. Jahrhundert), handschriftliche Liederbücher (spätes 18. bis Ende 20. Jahrhundert), Tonaufzeichnungen und Bilddokumente. Zudem gehören mehrere Spezialsammlungen, etwa zur populären Kultur im Ersten Weltkrieg, zum Bestand des DVA. Einen neuen Bereich bildet das Deutsche Musicalarchiv, eine einmalige Sammlung zu dieser Art Musiktheater an deutschsprachigen Bühnen, die unlängst am DVA als eigener Sammel- und Forschungsschwerpunkt eröffnet wurde. Die einzigartige Spezialbibliothek des DVA umfasst eine weltweit einmalige umfangreiche Sammlung von Fachliteratur und Quellen zum Kunst- und Volkslied, zur populären Musik, zum Musiktheater sowie eine interdisziplinäre, internationale Fachbibliothek zum Kontext dieser Kultur.

Die Besonderheit des DVA liegt nun nicht nur darin, dass die Institution gleichzeitig Forschungsinstitut, Archiv und Sammelstelle für seinen Gegenstandsbereich ist, sondern dass hier von Anfang an intermediale Zusammenhänge im Mittelpunkt des Interesses standen, d.h., dass schon seit den Anfängen hier interdisziplinär geforscht wurde, als dies noch in den meisten anderen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und Fächern undenkbar schien. Es ist deshalb kein Zufall, dass bedeutende Musikwissenschaftler (u.a. Walter Salmen und Walter Wiora), Volkskundler und Germanisten (u.a. Dietz-Rüdiger Moser und der langjährige Leiter Lutz Röhrich) zu den Mitarbeitern des Archivs zählen, die stets die Kompetenz mehrerer Fächer in sich vereinigten. Genau diese originäre Interdisziplinarität aber hat das DVA stets in die Lage versetzt, modifizierte fächerübergreifende Initiativen zu ergreifen und damit innovative und prägende Wirkungen zu entfalten: so etwa gegenwärtig im Felde der Medienkulturwissenschaften, weil die hier verfolgten Fragen implizit immer schon Gegenstand des DVA waren und nun produktiv profiliert werden können.

Die Universität ist dankbar, dass das hundertjährige DVA sich als „Zentrum für Populäre Kultur und Musik“ nun noch enger an unsere alma mater schließt und damit nicht nur in der interdisziplinären Forschung, sondern auch in der Lehre zu einer bedeutsamen Bereicherung des Studiums beizutragen vermag.

 

Dr. Dieter Salomon,
Oberbürgermeister der Stadt Freiburg

dieter_salomon.jpg 
  

Im Namen der Stadt und der Freiburger Bürgerschaft übermittele ich der Leitung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Freunden und Nutzern des Deutschen Volksliedarchivs herzliche Grüße und Glückwünsche zum 100jährigen Bestehen.

Gegründet im Jahr 1914, das mit dem Beginn des I. Weltkriegs für tiefgreifende politische und gesellschaftliche Veränderungen steht, ist das Volksliedarchiv in den 100 Jahren seines Bestehens zu einer weltweit anerkannten Forschungs- und Dokumentationsstätte populärer Kultur und Musik geworden, das längst nicht mehr auf das Genre der deutschen Volkslieder begrenzt ist. Das Deutsche Volksliedarchiv dokumentiert und erforscht weltweit populäre Musikkulturen und ihre Rolle in Politik, Gesellschaft und für die kulturelle Prägung der Herkunftsländer. Damit gehört das Deutsche Volksliedarchiv zu den herausragenden Einrichtungen des Wissenschaftsstandorts Freiburg mit einer Ausstrahlung weit über Stadt und Region hinaus.

Für seine große wissenschaftliche Leistung und Reputation gebührt dem Deutschen Volksliedarchiv sowie den dort wirkenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Respekt und Dank auch im Namen der Sitzstadt Freiburg. Zu den im Jubiläumsjahr geplanten Veranstaltungen wünsche ich dem Volksliedarchiv Erfolg und eine angemessene Resonanz in der Öffentlichkeit. Das 100. Jahr ist für das Volksliedarchiv ein Jahr des Wandels und der Veränderung. Die stärkere Anbindung an die Universität als Zentrum für Populäre Kultur und Musik soll ein weiterer Entwicklungsschritt sein, der die wissenschaftliche Kompetenz stärkt und weitere Synergien eröffnet. Ich wünsche dem Deutschen Volksliedarchiv auf diesem Weg eine gute Entwicklung und weiterhin erfolgreiche Arbeit!

 

Gabi Rolland, MdL
Mitglied des Landtagsausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kunst

gabi_rolland.jpg 
  

Zum 100. Geburtstag gratuliere ich dem dennoch jung gebliebenen Deutschen Volksliedarchiv sehr herzlich. "Wann wir schreiten Seit' an Seit', und die alten Lieder singen, und die Wälder widerklingen …" ist ein Lied der Arbeiterbewegung, das ebenfalls 1914 entstanden ist. Für mich als Sozialdemokratin haben Lieder eine besondere Bedeutung: Sie verbinden die Menschen mit der Sprache der Musik, sie transportieren Inhalte in einer gefälligen Art und sie können sich an die aktuelle Zeit anpassen – und ganz wichtig – Singen ist Lebensfreude.

Gerade deshalb ist die Erforschung des Liedgutes von großer sozialer und politischer Bedeutung. Ein unschätzbares kulturelles Erbe gilt es zu erhalten und im jeweiligen Kontext der Zeitläufe zu ergründen. Das ist für die Geschichte unseres Landes ein unverzichtbarer Beitrag und eröffnet Einblicke in die Alltagskultur. Mit dem „Einzug“ des Deutschen Volksliedarchivs unter das Dach der Universität Freiburg erhält das Archiv Rückenwind für eine Neuausrichtung in der inhaltlichen Arbeit. Die gesellschaftliche Relevanz der Erforschung von populärer Musik im Spannungsfeld von Medialität, Ökonomie und der Prägung von Alltagskultur bekommt eine neue Bedeutung.

Ich freue mich auf viele weitere interessante und spannende Veröffentlichungen über das politische Liedgut unseres Landes. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Deutschen Volksliedarchivs wünsche ich alles Gute und bedanke mich für die wertvolle Arbeit.


Prof. Dr. Hermann J. Wilske
Präsident des Landesmusikrates Baden-Württemberg

hermann_j_wilske.jpg 
  

Dass Musik zur Humanisierung des Lebens beiträgt und für eine ganzheitliche Bildung unverzichtbar ist, stellt die feste Überzeugung des Landesmusikrats Baden-Württemberg dar. Damit dies gelingt, ist aber nicht nur praktische und pädagogische Arbeit notwendig, sondern auch wissenschaftliche Reflexion. Diese leistet seit 1914 das Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg in vorbildlicher Weise, indem es sich den verschiedenen populären Musikkulturen zuwendet. Dass sich diese Beschäftigung besonders auf solche musikalische Phänomene erstreckt, welche junge Menschen ansprechen und für deren Sozialisation und Identitätsbildung zentral sind, unterstreicht die forscherische und gesellschaftliche Relevanz dieser national wie international renommierten Forschungseinrichtung. Der Landesmusikrat Baden-Württemberg schätzt sich glücklich, dass dieses Institut seit einhundert Jahren in unserem Bundesland beheimatet ist und wünscht ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute!


Dr. Wolfgang Jansen
Vorsitzender des Vereins Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs

wolfgang_jansen.jpg 
  

Nach dem Erwerb einer umfangreichen Privatsammlung zum populären Musiktheater konnte nach rund zweijähriger Vorbereitung 2010 das Deutsche Musicalarchiv gegründet werden, dessen Sammlungsbestände seither kontinuierlich zunehmen. Es bildet einen eigenständigen Sammlungs- und Forschungsbereich innerhalb des thematisch breiten Portfolios des ehemaligen Deutschen Volksliedarchivs, das sinnvoller Weise zum 100-jährigen Jubiläum in Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) umbenannt und in die Universität Freiburg integriert wurde. 2012 gründete sich aus einem Kreis von interessierten Wissenschaftlern und Theaterpraktikern der Verein der Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs, der seither die Arbeit des Musicalarchivs nach besten Kräften unterstützt. Als dessen Vorsitzender gratuliere ich im Namen aller Förderer von Herzen dem ZPKM und seinen Mitarbeiter zum Jubiläum und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner wichtigen Arbeit.

Durch die Neuausrichtung des Instituts in den vergangenen Jahren wurden die Bedingungen geschaffen für ein zeitgemäßes, modernes und interdisziplinär arbeitendes Forschungszentrum. Inhaltlich hat es sich in erfreulicher Weise geöffnet, auch für das ganze Spektrum des populären Musiktheaters, für das es bislang im deutschsprachigen Raum keine zentrale Anlaufstelle gab. Freiburg verspricht insofern zum „Marbach des populären Musiktheaters“ zu werden.

Schon immer gab es enge Verbindungen zwischen der Musikindustrie und dem Theater, da die populären Gattungen immer Lieder und Songs enthielten, die aus den jeweiligen Bühnenwerken auskoppelbar waren und als Schlager oder Gassenhauer Eingang fanden im kollektiven Liedgut der Bevölkerung. Die jetzt schon bemerkenswerten Sammlungsbestände werden somit künftig verstärkt Forschungen in den kultur-, musik- und theaterwissenschaftlichen Disziplinen anregen. Die Bedeutung des Populären für die Gesellschaft ist längst noch nicht hinreichend verstanden.

Das Land Baden-Württemberg kann stolz sein auf dieses einzigartige Forschungszentrum.


Prof. Dr. Janina Klassen, Hochschule für Musik Freiburg i. Br.
Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Populäre Kultur und Musik

janina_klassen.jpg 
  

Zum 100jährigen Bestehen gratuliere ich im Namen des Wissenschaftlichen Beirats aufs herzlichste. Wenn aus einer wissenschaftlicher Neugier und einer privaten Gelehrteninitiative ein eigenes freies Forschungsinstitut hervorgeht, so ist das für sich schon bemerkenswert. John Meier, Mediävist und Volkskundler an den Universitäten Basel und Freiburg, gründete mit 50 Jahren 1914 das Deutsche Volksliedarchiv. Es gelang ihm, trotz zweier Weltkriege, das Institut zu erhalten und die Bestände weiter auszubauen, bis er „sein“ Institut 1952 in die Obhut des Landes Baden-Württemberg übergab. Und es ist all jenen Persönlichkeiten zu danken, die das Institut von 1953 bis 2014 erfolgreich weiter geführt haben. Die Bilanz ist eindrucksvoll. Jetzt, im hundertsten Jahr seines Bestehens, wird das vormalige Deutsche Volksliedarchiv als Zentrum für Populäre Kultur und Musik in die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg eingegliedert. Als Teil der Universität wird für die Öffentlichkeit noch deutlicher sichtbar, wie sich das DVA zu einem Forschungszentrum von nationaler und internationaler Bedeutung weiterentwickelt hat.

Der hundertste Geburtstag ist ein Moment von Rückblick und Aufbruch zugleich. Das Zentrum erforscht populäre Kultur und Musik in Gegenwart und Geschichte. Es befasst sich mit Traditionen und mit Neuerungen. Darüber hinaus bietet es mit der Kombination von Forschung und Sammlungen ein internationales Alleinstellungsmerkmal. Aufgrund der multimedialen Verfasstheit populärer Kultur und Musik arbeitet das Zentrum inter- und transdisziplinär mit unterschiedlichen Partnern aus Theorie und Praxis an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Diesen Aufbruch in die Zukunft im hundertsten Jahr zu begleiten ist für den Wissenschaftlichen Beirat eine spannende und ehrenvolle Aufgabe.


Grußworte von Fachkolleginnen und Fachkollegen sowie von Institutionen
 

Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer, Universität Oldenburg, Musik- und Medienwissenschaft
Präsidentin des deutschsprachigen Zweiges der International Association for the Study of Popular Music / IASPM - D-A-CH

Zum 100. Geburtstag und mit der Neugründung des Deutschen Volksliedarchives als Zentrum für Populäre Kultur und Musik erhält der deutschsprachige Raum eine weitere Institution der Erforschung populärer Musikformen. Dabei dürfte es sich als ein Alleinstellungsmerkmal erweisen, dass hier die historische Dimension populärer Musikgenres ein besonderes Gewicht erhält.

Die Community der deutschsprachigen und auch weltweiten ForscherInnen Populärer Musik wird mit besonderem Interesse auf die Einbettung der Studien zu Populärer Musik in die der populären Kulturen schauen. Hier dürfte ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der spezifischen Verbreitungs- und Hörpraktiken populärer Musik liegen. Diese (alltäglichen) Praktiken und Situationen sind immer auch durch die mediale Beschaffenheit populärer Musik geprägt, egal ob es sich dabei um eine Liedflugschrift des 16. Jahrhunderts handelt, eine Phonographenwalze des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder einen Nr.-1-Hit der deutschen Albumcharts zu Zeiten, in denen ein großer Teil populärer Musik über das Internet verbreitet und angeeignet wird. Die Bedeutungen zu erforschen, die ihr von den MusikerInnen, „Medienmachern“ oder HörerInnen beigemessen wird, stellt in ihrer Vieldimensionalität eine nicht gering zu schätzende Herausforderung für die ForscherInnen dar. Das Deutsche Volksliedarchiv, das Deutsche Musicalarchiv und die dem Zentrum zur Verfügung stehenden Stiftungen von Schallplattensammlungen stellen hier wichtige Quellen zur Verfügung.

Mit der Einbindung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik in den Lehrbetrieb der Freiburger Universität erhöht sich erfreulicherweise auch die Zahl und vor allem das Spektrum jener Hochschulen und Universitäten, an denen man sich im deutschsprachigen Raum mit populären Musikformen im Studium auseinander setzen kann, d.h. populäre Musikformen zum selbstverständlichen Teil der Erforschung von Musik in Geschichte und Theorie werden können.

Gratulation, viel Erfolg und auf gute Zusammenarbeit!

 

PD Dr. Giacomo Bottà, Strasbourg und Helsinki, Kulturwissenschaft
Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Deutschen Volksliedarchiv 2010-2012

September 2010, when I first arrived in front of the Deutsches Volksliedarchiv, I thought I was in the wrong place. I walked all the way from the railway station, following the instructions provided by my dear friend Nils Grosch, at the time the managing director, and I was facing an elegant villa with garden in Gründerzeit style on the residential Silberbachstraße. I thought this might be the house of some famous architect or art curator, but not a research centre.
I rang the bell and understood I was wrong, that was exactly the Deutsches Volksliedarchiv. I was assigned a desk on the ground floor, in a room with wooden interiors and a huge chandelier hanging from the ceiling. You could breath the dedication and passion that various directors, researchers and archive staff had put throughout decades to take popular music seriously, preserve it and validate it as cultural practice.

One hundred years later and after a material move to the functional premises in the Rosastraße and the institutional move to the University of Freiburg, the renamed Zentrum für Populäre Kultur und Musik still carries the same aim: maintaining popular music a significant cultural practice and preserving its heritage. My times as Alexander von Humboldt experience researcher at the Archiv / Zentrum in 2010 – 2012 are among the most prolific and memorable in my academic career and I am very happy to be involved to this day in its activities. In the very nice occasion of this 100 years Jubiläum, I wish the newly founded Zentrum and its past, current and future staff all the best. May popular music continue to be subject of academic studies and research and may the ZPKM continue to be one of its most committed sites!

 

Prof. Dr. Wolfgang Braungart, Universität Bielefeld, Literaturwissenschaft

Vor ziemlich genau 250 Jahren haben Herder und der junge Goethe begonnen, Lieder zu sammeln, die wir heute Volkslieder und Volksballaden nennen. Das war der Anfang. Herder und Goethe haben damals wahrgenommen, dass sich Kultur zu dynamisieren beginnt und manches dabei unterzugehen droht. Aber was sie für alt und ehrwürdig ansehen wollten, waren teilweise durchaus modische und professionell hergestellte Lieder. Man könnte auch sagen: populäre Lieder, die Goethe und Herder sogar selbst schrieben, und keineswegs das 'Volk'. So einfach ist es also nicht, zwischen Volkslied und Volkskultur einerseits und Pop-Song und populärer Kultur andererseits zu unterscheiden. Das 'gute, alte' Deutsche Volksliedarchiv, das nun 100 Jahre alt wird, muss sich heute als 'Zentrum für Populäre Kultur und Musik' verstehen, wenn es der kulturellen Entwicklung selbst gerecht werden will. Dass ihm das gelingen möge: der Geschichte populärer Musik und Kultur - und damit auch dem sogenannten Volkslied - gerecht zu werden, sie zu erforschen und zu tradieren und sich zugleich genauso offen und engagiert der Kultur der Gegenwart zuzuwenden, das wünsche ich ihm und uns, indem ich herzlich gratuliere!


Prof. Dr. Rolf Wilhelm Brednich, früher Georg-August-Universität Göttingen, jetzt Victoria University, Wellington, New Zealand, Volkskunde

Der freundlichen Einladung, ein Grußwort zum Jubiläum des Deutschen Volksliedarchivs beizusteuern, komme ich nur allzu gerne nach. Obwohl mein Ausscheiden aus dieser Institution im Jahr 1981 schon relativ lange zurück liegt, fühle ich mich ihr nach einer 19 Jahre währenden Zugehörigkeit immer noch verbunden. Auch ist es erstaunlich, dass ich selbst noch im fernen Neuseeland regelmäßig von Liedforschern aus verschiedenen Ländern mit Forschungsfragen konsultiert werde. Die beiden Jahrzehnte in der Silberbachstraße haben ihre Spuren hinterlassen, bei mir ebenso wie in Freiburg selbst. Bei meiner Einstellung im Frühling 1962 hatte mich der damalige Leiter Erich Seemann auf das Konzept seiner „Arbeitsstelle für internationale Volksliedforschung“ verpflichtet. Es sah neben der notwendigen Archivarbeit den Erwerb ausgedehnter Sprachenkenntnisse, Kongressreisen, Feldforschung und Kontakte zu verwandten internationalen Institutionen vor. Dies war ein Konzept, welches Kurt Ranke in vergleichbarer Weise für die Erzählforschung vertrat, wenn er 1959 schrieb: „Keine Wissenschaft ist mehr auf weltumspannende Gemeinsamkeiten angewiesen als unsere, und keine ist daher mehr geeignet, Brücken zwischen den Völkern zu schlagen“. Die Arbeit an der historisch-philologischen Edition der deutschen Volksballaden war diesem Postulat ebenso gewidmet wie die an dem neu begründeten Jahrbuch für Volksliedforschung und in der 1966 in Freiburg von mir ins Leben gerufenen internationalen Kommission für Volksdichtung der SIEF. In der Nachfolge von Kurt Ranke als Herausgeber der Enzyklopädie des Märchens in Göttingen galten ähnliche Prinzipien.
Die 1968 mit der Berufung von Lutz Röhrich auf ein neu geschaffenes Ordinariat für Volkskunde verbundene Gründung eines Instituts für dieses Fach hat die erwünschte Nähe der Volksliedforschung zur Freiburger Universität gefestigt und ist nunmehr auch institutionell abgesichert. Es ist gut zu wissen und erfreulich, dass die Liedforschung in allen Genres - vom "Volkslied" bis zum "Popsong" – auch unter der neuen Institutsbezeichnung weitergehen wird.
In diesem Sinne herzliche Glückwünsche, und „Ad multos annos“.

 

Mag. Michaela Brodl
Prof. Mag. Walter Deutsch
Mag. Sofia Weissenegger
Österreichisches Volksliedwerk


Meor ehrod das Ault, und grüssed das Nü …
Wir ehren das Alte und grüßen das Neue … Aus einem Gedicht des österreichischen Mundartdichters aus dem Bregenzerwald Johann Gebhard Wölfle (1848-1904).

100 Jahre sind eine lange Zeit, in der viel passiert! Der Bestand des Archivs, der Dokumentationsstelle, das auf eine hundertjährige Forschungstätigkeit zurückblickt, ist zu einer beachtlichen Größe angewachsen, die Erscheinungsform hat sich gewandelt und ein Stück weit dem Zeitgeist angepasst und den Geschmack der Zeit.

Auch das Österreichische Volksliedwerk hat dieses Alter bereits überschritten und gratuliert der Schwesterninstitution im benachbarten Ausland herzlich. Wir wünschen viel Erfolg, Freude und die nötige Unterstützung bei den geplanten Projekten. Von Zeit zu Zeit gab es mehr oder weniger intensive Berührungspunkte in gemeinsamen Projekten, die kongruente Themen über divergierende Forschungsansätze stellte, da diese mehr als bereichernd und befruchtend, denn als trennend erlebt werden.

Die Bedeutung solcher Institute, die in viele Bereiche hineinpassen, zu vielen Themen wichtige Aussagen treffen und damit aber nirgendwo klar dazugehören, liegt in der stillen, konsequenten und geordneten Arbeitsweise, die meist wenig beachtet ein verborgenes Dasein fristet. Der Kreativität und dem erforderlichen Einfallsreichtum für neue Wege sind keine Grenzen zu setzen, wenn es darum geht, die anvertrauten Schätze zu bewahren und für die Forschung zugängig und lebendig zu halten.

In diesem Sinne wünschen wir vom Österreichischen Volksliedwerk weiterhin viel Schaffenskraft, Ausdauer und Beharrlichkeit in der Fortführung der Projekte!

 

Prof. Dr. Peter Bubmann
Dr. Jochen Kaiser
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, Praktische Theologie

Einhundert Jahre sind eine stolze Zahl und deshalb gratulieren wir und freuen uns, dass der Fortbestand in neuer Form, als Zentrum für Populäre Kultur und Musik, möglich wurde.

Unsere Verbindung nach Freiburg besteht hauptsächlich über das Netzwerk Religiöse Liedkultur und hat deshalb geistliche Lieder im Blick. Neben der historischen Erforschung von Volks- und Kirchenliedern wird im neuen Zentrum für Populäre Kultur und Musik populäre religiöse Musik verschiedenster Stile eine Rolle spielen und damit unsere (gesteigerte) Aufmerksamkeit behalten. Die Hoffnung ist auch, dass das neue ZPKM den kulturtheoretischen Diskurs weiterhin fördert, auch für die Hymnologie.

Unser wissenschaftliches Interesse bewegt sich immer wieder von der klassischen Theologie in Richtung Populärer Religion, die sich auch in vielen musikalischen Phänomenen ausdrückt, obwohl es eher um die Entgrenzung singulärer Medien und tradierter religiöser Orte geht. Das populäre Wort "populär" ist nun auch im Namen des neuen Zentrums verankert und erweitert den Blick über die Musik hinaus auf kulturelle Phänomene, die eben auch Musik und Lieder einschließen können. Bei der populären Kultur schwingt eine konkrete Situation der Lebenswelt mit und damit sind empirisch-ethnografische Methoden notwendig, was sich mit unseren Untersuchungen treffen würde und so freuen wir uns auf Kontakte zum ZPKM und seinen Mitarbeiter/innen.

 

Prof. Dr. Albrecht Classen, The University of Arizona, Tucson, Literaturwissenschaft

Mitte der 1990er Jahre hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, längere Zeit am Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg zu arbeiten, und ich erinnere mich noch bis heute, was für eine angenehme wissenschaftliche, zugleich aber auch persönlich anregende Atmosphäre dort herrschte. Kaum eingetreten, war man schon von der wunderbaren Gastfreundschaft eingenommen und konnte sofort loslegen. Als Germanist interessierte mich vor allem die unglaubliche Sammlung von Liedtexten seit dem Mittelalter, und wenngleich ich nicht auf dem Gebiet der musikalischen Umsetzung arbeitete, öffneten sich mir doch dort in der Silberbachstraße die Augen für die ungeheure Bedeutung von Liederbüchern des 15. bis 17. Jahrhunderts und darüber hinaus. Ein erstes Buch entstand aus meinen intensiven Forschungen, das in den späteren Jahren von zwei weiteren gefolgt wurde, die ebenfalls z.T. auf die Materialien gestützt waren, die ich im DVA vorfand. Besonders fasziniert mich bis heute das spannende Phänomen, in diesen Liederbüchern sowohl die populäre Kultur der Vormoderne als auch Repräsentanten der elitären (urbanen und aristokratischen) Kultur aufspüren zu können. Das DVA bzw. das neue Zentrum besitzt also ein ungemein wichtiges Archiv für mentalitäts- und alltagsgeschichtliche Untersuchungen. Zugleich bieten sich zahllose Liederbücher für religions- und musikwissenschaftliche Forschungen an. Auch Gender-Fragen ergeben sich schnell, selbst bei einer nur oberflächlichen Betrachtung dieser großen Liedersammlungen.

Was heißt aber genau 'Populäre Kultur', ein Begriff, der uns schnell auf hochinteressante Gebiete führt, die sowohl für Literaturwissenschaftler als auch Historiker relevant sind, von den Musikwissenschaftlern ganz zu schweigen? Lieder wurden und werden von Vertretern aller sozialen Schichten gesungen, und Popularität ist nicht spezifisch mit einer besonderen Qualität ästhetischer Art verbunden. Das Liedschaffen hat zudem niemals aufgehört, und somit ist das DVA bzw. jetzt das neue Zentrum von großer Bedeutung sowohl für Mediävisten und Frühneuzeitler als auch für Forscher der Moderne.

Anlässlich der 100-Jahre Feier im Angedenken an die Gründung des DVA durch John Meier und zugleich anlässlich der Neuetablierung als Zentrum für Populäre Kultur und Musik in der Rosastraße in Freiburg i. Br. als integrales Institut der Universität Freiburg ist es mir eine große Freude, dieser altehrwürdigen und zugleich jung und lebendig gebliebenen Institution meine herzlichen Glückwünsche und Anerkennung auszusprechen. Diese Grüße kommen aus weiter Ferne im Südwesten der USA, und der Unterschied zwischen der semi-ariden Wüste von Sonora und Arizona und der im Sommer so lauschigen und sprießenden Natur unterhalb des Schwarzwalds könnte nicht größer sein. Aber das gemeinsame Forschungsinteresse verbindet uns, wie ja auch unsere jeweiligen Bibliotheken (bei uns in der Musikwissenschaft) viele der gleichen Grundwerke, Nachschlagewerke, Editionen oder Handbücher besitzen. Aber das Zentrum in Freiburg bleibt doch die entscheidende Anlaufstelle für alle, die die wichtigen Archivalien, die Quellen, in Augenschein nehmen wollen. Ich freue mich auf zukünftige Möglichkeiten, dort weiter zu forschen, und sende meine besten Grüße an die Leitung und Mitarbeiter/Innen.

 

Prof. Dr. Beat Föllmi, Université de Strasbourg, Kirchenmusik und Hymnologie

Seit vielen Jahren ist die Universität Straßburg mit dem ehemaligen Deutschen Volksliedarchiv und heutigen ZPKM verbunden, sowohl im persönlichen Austausch unter Forschern als durch projektbezogene Forschung. Meine Straßburger Kollegen und ich schätzen insbesondere die Offenheit des Instituts, das sich nicht nur für „klassische“ Forschungsthemen (wie Volkslied oder Hymnologie) interessiert, sondern stets auch Themen der heutigen Gesellschaft aufgreift – so exemplarisch anlässlich der im Oktober 2014 stattgefunden habenden Tagung zu Popmusik und Religion.
Unsere Zusammenarbeit ist zudem ein gelungenes Beispiel für grenzüberschreitende Forschung, die selbst bei vorhandenem politischen Willen stets nur dann gelingen kann, wenn sie von engagierten Forschern beider Länder aktiv getragen wird. Ich erinnere mich an verschiedene solcher gemeinsamen deutsch-französischen Projekte der letzten Jahre: die Straßburger Tagung von 2007 zum Thema des „Nation Building“ durch Musik im 19. Jahrhundert, das Forschungsprojekt zum elsässischen Volkslied (2010-1012), die Stuttgarter Tagung zur Herausbildung neuzeitlicher Konfessionskulturen (2011) oder die Forschung zum „Straßburger Psalter“ im 16. Jahrhundert (seit 2009). Letzteres Projekt hat uns zu einem noch anstehenden größeren gemeinsamen Forschungsvorhaben über die Gesangbuchlandschaft im Elsass (HymnAlsace) geführt, bei dem noch weitere wichtige Partner beteiligt sein werden. Nicht zuletzt kooperieren das ZKPM und der Straßburger Lehrstuhl für Kirchenmusik im Netzwerk Religiöse Liedkultur, das auf die Initiative des ZKPM zurückgeht.
Mit großem Interesse haben wir die zwei kürzlich erfolgten einschneidenden Neuerungen beobachtet: den Umzug in die großzügigen Räume an der Rosastraße und die institutionelle Angliederung an die Freiburger Universität. Beides ist nur dazu angetan, unsere gute Zusammenarbeit weiter zu verstärken. Wir wünschen daher dem ZKPM und seinem Leiter, Herrn Dr. Dr. Michael Fischer, einen guten Start unter neuer Flagge – verbunden mit dem Hinweis, dass die Türen auf der anderen Seite des Rheins für den wissenschaftlichen Austausch stets offen stehen.

 

Prof. Dr. Nils Grosch, Universität Salzburg, Musikwissenschaft
1999-2011 Wissenschaftler am Deutschen Volksliedarchiv, Stellvertretender und Kommissarischer Leiter

Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten – und freilich zum viel versprechenden neuen Institutsnamen sowie zur Einbindung in die Uni Freiburg, und last but not least der Universität Freiburg zu diesem starken und innovativen Neuzugang, der in der gesamten süddeutschen Forschungslandschaft eine deutlich Lücke schließt!

Zur Zeit der Gründung des Deutschen Volksliedarchivs waren die kultur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten der deutschsprachigen Universitäten hochkulturell orientiert und wenig aufgeschlossen für Aspekte der populären Kultur. Deren Erforschung stand zudem, da sie immer nur interdisziplinär sein kann, quer zu den Strukturen akademischer Institutionalisierung. Das Populäre blieb in universitären Kontexten und Disziplinen indes meist in den Konstruktionen von „Volk“ und Archaischem befangen, das im Kern den ideologischen Orientierungen des Nation Building unterworfen war, denen die Denkfiguren „Volkslied“ und „Volksmusik" wiederum ihre Entstehung und gedankliche Ausformung verdankten.

All dies hat sich inzwischen grundlegend gewandelt. Der Cultural Turn ist am DVA, wie sich an Veröffentlichungen und Veranstaltungen bereits seit den 1990er Jahren nachvollziehen lässt, schon längst angekommen. Popular Culture gibt ein Zeichen in eine gute Richtung. Sie steht konzeptionell ein für eine methodisch weite, scheuklappen-freie Forschungsrichtung, die – in ihrer für das Freiburger Institut gewählten direkten Ausrichtung auf die Musik – Historisches ebenso einbezieht wie Gegenwärtiges, dabei die Weichen stellt sowohl für die Pflege und Beforschung der am ZPKM befindlichen historischen Sammlungen als auch für eine produktive Vernetzung und Verschränkung von moderner wissenschaftlicher Forschungs-, Sammlungs- und Lehrtätigkeit. Das was manchem, der nur das Äußere sah, nicht sichtbar wurde: Dass unter dem inzwischen irreführend rückwärtsgewandt anmutenden Institutsnamen ein innovatives und interdisziplinäres Forschungsinstitut stand, das ist jetzt auch im Namen deutlich zu erkennen.

Für die Zukunft wünsche ich dem Zentrum für populäre Kultur und Musik und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles Gute und viel Erfolg!

 

Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Universität Paderborn und Hochschule für Musik Detmold, Musikwissenschaft

„Ungebrochen, seit einhundert Jahren, geht es im Deutschen Volksliedarchiv bzw. dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik (seit 2014) darum, die Musik der Vielen zu dokumentieren und zu erforschen,“ schreibt das ZPKM auf seiner Website über sich selbst. Das klingt nach ehrwürdiger Forschungstradition – die ja in der Tat Unschätzbares hervorgebracht hat, angefangen mit der Sammeltätigkeit und der Systematisierungsarbeit John Meiers bis hin zu der allmählichen Hinwendung zum populären Lied und zur populären Kultur in den letzten Jahrzehnten, die sich im neuen Namen nun auch niederschlägt. Als mindestens ebenso bedeutsam sehe ich jedoch, dass das ZPKM nun zur universitären Einrichtung geworden ist. Denn wenn auch die Musik der Vielen schon lange „viele“ Menschen interessiert: Die Musikwissenschaft als akademisches Fach hat sich ihr lange Zeit nur widerwillig zugewandt. Einer Disziplin, die ihren Gegenstand als ‚Kunstmusik‘ definierte und in der sich schon rechtfertigen musste, wer sich mit Komponisten (oder gar Komponistinnen) der zweiten oder dritten Reihe befasste, galt die Musik im Alltag ‚ganz normaler Leute‘ nicht als ernst zu nehmender Forschungsgegenstand. Die Integration des ZPKM in die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mag also als Zeichen des Aufbruchs gesehen werden – hin zu einer Musikwissenschaft (oder einer Musik-Kultur-Wissenschaft), die neue Themen entdeckt, indem sie ein altes Anliegen aufgreift und universitär verankert. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den gegenwärtigen und den künftigen, wünsche ich bei ihren Aufgaben viel Freude und Erfolg.

 

Prof. Dr. Gabriele Haug-Moritz, Universität Graz, Allgemeine Geschichte der Neuzeit

Das Institut für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz (Allgemeine Geschichte der Neuzeit) gratuliert ganz herzlich zum Hundertjährigen! Selten gibt es einen Jubilar dieses Alters der sich, gerade in den Augen einer Historikerin / eines Historikers, so viel Jugendlichkeit bewahrt hat. Die kulturgeschichtlich arbeitende Forschung profitiert in großem Umfang von der Freiburger Sammlung, auch deswegen, weil dort Quellen überliefert sind, die sonst nirgendwo (mehr) zu finden sind, da sie kriegsbedingt verloren gingen. Wer Fragen zur frühneuzeitlichen Mediengeschichte, zum Zusammenhang von Mündlichkeit und Schriftlichkeit (und zu vielem anderen) bearbeitet, für die (oder den) gilt – alle Wege führen nach Freiburg! Möge uns das Geburtstagskind und seine freundlichen, kompetenten und hilfsbereiten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch lange erhalten bleiben!

 

Prof. Dr. Christoph Jacke, Universität Paderborn, Populäre Musik und Medien

Die Neugründung des Deutschen Volksliedarchives als Zentrum für Populäre Kultur und Musik ist für die Institutionalisierung der Erforschung, Aufarbeitung und auch Erhaltung des Kulturguts Musik von herausragender Bedeutung. Neben Studiengängen, Fachgesellschaften, Publikationsorganen und Stellenausschreibungen in diversen Bereichen sind hier einordnende reale und virtuelle Archive und Museen gefragt. In Zeiten der Flüchtigkeit und ständig erneuerten Techniken und Technologien erscheinen ausgeruhte Reflexion und wissenschaftliche Begleitung außerordentlich wichtig für das Selbstverständnis unserer (Medien-)Gesellschaft; im übrigen auch im Vergleich zu anderen Gesellschaften. Insofern ist der Anschluss des Zentrums an die Universität Freiburg absolut sinnvoll und sollte gleichzeitig zu einem weiteren aktiven Eigenleben des Zentrums motivieren.

Dabei schließen sich Volksmusik und Populäre Musik weder aus noch schlucken sie sich; medienkulturell gerahmt sind sie gleichermaßen. In einem weiten Verständnis von populären Musikkulturen überschneiden und ergänzen sich dieses Bereiche sehr stark, sowohl historisch als auch systematisch.

Aus Paderborn herzlichen Glückwunsch und auf zukünftige Kooperationen und Vernetzungen!

 

Prof. Dr. phil. Dr. theol. h.c. Hermann Kurzke
Prof. Dr. Ansgar Franz
Dr. Christiane Schäfer
Gesangbucharchiv der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Es ist mehr als ein Vierteljahrhundert her, seit ich (H. K.) das erste Mal die geräumige Villa in der Silberbachstraße betreten habe, fasziniert vom anmutig-altmodischen Ambiente und Aroma dieses einzigartigen Liedarchivs. Das Haus war vollgestopft vom Keller bis zum Dach mit Vergangenheit, darunter viel Vergessenes und Verdrängtes. Es roch sympathisch nach alten Büchern, Heften, Möbeln, Tinte und Papier, insgesamt nach einem Deutschland, das es nicht mehr gab. Computer spielten noch keine große Rolle; man suchte in alten Karteikästen, von denen es viele gab. Ein besonderer Schatz war die Verzettelung des gesamten Liedbestands aus Liederbüchern, Chorheften, Einzeldrucken, Tonträgern und Mappen mit Dokumenten aus der mündlichen Überlieferung, wo man aufschlußreiche Einsichten in die Wirkungsgeschichte der einzelnen Lieder gewinnen konnte.
Diesen Liedkatalog versuchten wir im Mainzer Gesangbucharchiv baldigst nachzumachen, mit einer Datenbank, die wir noch heute benützen und die mittlerweile rund fünfhundert Gesangbücher erschließt. Seit der Gründung des Gesangbucharchivs Ende der Achtziger Jahre, mithin seit beinahe drei Jahrzehnten, haben wir als Einzelpersonen und als Institution kontinuierlich mit dem Deutschen Volksliedarchiv zusammengearbeitet und setzen diese Kooperation auch mit dem neu strukturierten ZPKM fort. Das Netzwerk Religiöse Liedkultur, dem beide Einrichtungen angehören, wird auch künftig eine gemeinsame Plattform bieten.
Das Kirchenlied der Gegenwart hat schon seit Jahren Elemente des Sacro Pop aufgenommen und internationalisiert sich immer mehr. So wichtig die Rückbindung der Erforschung der großen Tradition des Kirchenlieds und des geistlichen Volkslieds an die Quellenbestände des alten DVA immer bleiben wird, so wichtig wird für die künftige Hymnologie die Rückbindung an die Archivalien und Forschungsdiskurse zur internationalen Popularkultur sein. Wir wünschen dem neuen ZPKM ein gutes Gedeihen und, kraft seiner Alleinstellungsmerkmale, eine stabile Positionierung in der Universitätslandschaft der kommenden Jahrzehnte.

 

Prof. Dr. Kaspar Maase, Universität Tübingen, Empirische Kulturwissenschaft

Wenn ein Vertreter der Empirischen Kulturwissenschaft/Europäischen Ethnologie dem Deutschen Volksliedarchiv gratuliert, dann hat das ein Gschmäckle – kommt der Glückwunsch doch aus dem Nachfolgefach der Volkskunde, das die Sammlung und Forschung im DVA lange geprägt hat. Da bewegt man sich gefährlich am Rande disziplinären Eigenlobs. Doch geht es am 100. Geburtstag erfreulicherweise um neue Perspektiven, die die Konstituierung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik eröffnet.

Die Europäische Ethnologie definiert sich heute als Schnittstellenfach. Die Erforschung des „Alltagslebens“ populärer Musik in Geschichte und Gegenwart verlangt, zum Verständnis und Vergleich die Kontexte der gesamten populären Kultur heranzuziehen – und damit auch je nach konkretem Forschungsgegenstand Sichtweisen und Ergebnisse multidisziplinärer kulturwissenschaftlicher Forschung und Theoriebildung zu integrieren. Dies anzuregen, zu ermöglichen und zu fördern, ist die vielversprechende Perspektive des ZPKM, und für diese Aufgabe wünsche ich ihm viel Unterstützung und Erfolg.

 

Prof. Dr. Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Musikwissenschaft
Prof. Dr. Matthias Tischer, Hochschule Neubrandenburg,
Ästhetik und Kommunikation mit dem Schwerpunkt Kultur und Musik

Das Populäre war und ist die schillernde andere Seite des vermeintlich Abgehobenen einer Kunst im emphatischen Sinne. Jeder, der es mit dem Studium einer solch emphatischen Kunst intellektuell ernst meinte, hat die dialektische Verbindung mit ihrer anderen Seite, dem Populären, seit jeher durchschaut und umgekehrt. Kunstfeindlichkeit kann sich ebenso wenig antielitär geben, wie sich Kunstliebe nicht gegen Popularität wenden kann, ohne sich selbst in ihrem Anliegen zu disqualifizieren. Der Körper der Kulturwissenschaft hat viele lebenswichtige Organe - das Freiburger Zentrum für Populäre Kultur und Musik ist eines davon.

 

Prof. Roland Pfeiffer, Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg, Gitarre und Musikproduktion

Die Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg gratuliert dem Deutschen Volksliedarchiv recht herzlich zum 100. Geburtstag. Die mit diesem Geburtstag verbundene Neugründung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik ist ein richtungsweisender Schritt, dessen Einflüsse und Auswirkungen unsere Hochschule mit Spannung erwartet. Die Erforschung der Populären Musik in Hinblick auf ihre gesellschaftspolitische Relevanz und Weiterentwicklung ist für den ausübenden Pop-Musiker aufschlussreich und inspirierend. Die Möglichkeit, in unmittelbarer Nachbarschaft auf ein derart umfangreiches und gut strukturiertes Archiv zugreifen zu können, ist eine willkommene Ergänzung zu unseren Studienangeboten.

 

Prof. Dr. Martin Pfleiderer, Geschichte des Jazz und der populären Musik, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Hundert Jahre, das ist ein stolzes Alter: zwei Weltkriege, deutsche Teilung und Wiedervereinigung – die Deutschen und ihre Kultur haben sich in diesen hundert Jahren stark gewandelt. Grammophon, Radio, Film, Fernsehen, Internet haben die Alltagskultur und die Musik nachhaltig verändert. Aufgrund dieser medialen Revolutionen prägt Musik das Leben der Menschen mehr denn je zuvor. Das Zentrum für populäre Kultur und Musik hat das deutsche Musikleben und seine Veränderungen seit 1914 begleitet und erforscht, hat Dokumente, die von den Musikpraktiken dieser Zeit zeugen, gesammelt, archiviert und der Nachwelt zugänglich gemacht. Dass dabei nicht mehr zwischen einer angeblich ursprünglichen und authentischen – d.h. von den selbsternannten Bewahrern einer „deutschen Kultur“ autorisierten – Musik des „Volkes“, und jenen anderen musikalischen Praktiken, die allzu gerne als Unterhaltungsmusik, leichte Musik oder gar Trivialmusik abgewertet wurden, unterschieden wird, erscheint mir dabei nur konsequent. Denn inzwischen wissen wir: Die Konzepte von „Volksmusik“ und „populäre Musik“ sind – ebenso wie das der angeblich „autonomen“ Kunstmusik – Konstruktionen des 19. Jahrhunderts, die sich nur aus den historischen ästhetischen und kulturkritischen Debatten heraus verstehen lassen. Es gibt Länder, ja ganze Kontinente, in denen eine Unterscheidung in Volks- und populäre Musik nie eine Rolle gespielt hat – so etwa in Lateinamerika, wo „musica popular“ immer beides umfasst hat: traditionelle Musik und aktuelle Musik. Ich gratuliere den Freiburger Musikforschern zu ihrer Entscheidung, in ihr zweites Jahrhundert mit einem neuen Namen zu starten – einem Namen, der den heutigen Aufgaben und Herausforderungen besser gerecht wird. Ich wünsche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zentrums für populäre Musik und Kultur bei der Bewältigung dieser Aufgaben und Herausforderungen viel Erfolg – und ein Gespür und Einfühlungsvermögen für die Vielfalt der Musikpraktiken im 21. Jahrhundert.

 

Prof. Dr. Klaus Näumann und Dr. Astrid Reimers, Institut für Europäische Musikethnologie an der Universität zu Köln

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für Populäre Kultur und Musik,

zum 100-jährigen Jubiläum wünschen wir Ihnen alles Gute und natürlich noch mindestens weitere 100 Jahre des Bestehens. Der von Ihnen vollzogene Schritt der Umbenennung verdeutlicht, dass Sie sich in Zukunft verstärkt weiteren, neuen Forschungsinhalten zu öffnen gedenken - eine nachvollziehbare Maßnahme im Zeitalter der Globalisierung. Wir selbst haben eine solche Umbenennung vor nunmehr drei Jahren vollzogen, als wir unser Institut, das zunächst als Niederrheinisches Volksliedarchiv im Jahr 1936 von Ernst Klusen gegründet wurde, alsdann von 1964 bis 2010 die Bezeichnung Institut für Musikalische Volkskunde trug, schließlich in Institut für Europäische Musikethnologie umtauften. Dadurch sollte auch nach außen hin sichtbar gemacht werden, dass sich die Forschungsinhalte bereits über eine längere Zeit sukzessive ausgedehnt hatten und diese Entwicklungen in Zukunft gar noch weiter forciert werden sollte.

Gleichwohl - wie sagt man so schön: "Namen sind wie Schall und Rauch", und entscheidend sind vielmehr die tatsächlichen Forschungsinhalte, die in einem Institut bearbeitet werden. Insofern wünschen wir vom Institut für Europäische Musikethnologie, das ja einstmals selbst als Ableger aus Ihrem Deutschen Volksliedarchiv hervorgegangen war, uns weiterhin eine gute Zusammenarbeit sowie dass Ihre Anstrengungen, eben jene Musik und jene Lieder, die gesungen bzw. gespielt werden und wurden, dauerhaft zu bewahren, weiterhin die für Ihr Institut so einzigartige Bedeutung besitzt und dass darüber hinaus die Ausweitung auf neue Forschungsinhalte in gleichem Maße Früchte trägt.

 

Herbert Schiffels, Vorsitzender des Vereins "Freiburger Jazzhaus e.V."

Das Jazzhaus Freiburg gratuliert dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik herzlich zu seiner Neugründung und zur einhundertjährigen Tradition des Hauses!
Als eine der führenden Spielstätten Baden-Württembergs für Jazz, Blues, Soul, Pop und Rock freuen wir uns, dass an der Universität Freiburg nun ein Forschungszentrum entstanden ist, das sich den Aspekten populärer Musikkulturen zuwendet.
Alles Gute für Ihre Arbeit!

 

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Bereits in den 20er und 30er Jahren kooperierte die Berliner Staatsbibliothek – damals als „Preußische Staatsbibliothek“ – mit dem 1914 begründeten Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg. Beide Institutionen verfügen über weltweit einzigartige Sammlungen zur Musikgeschichte und zum deutschen Volkslied. Diese herausragenden Bestände, die sich durch ihren komplementären Charakter oft aufs Schönste ergänzen, boten in jüngster Zeit erneut Anlass zu einem gemeinsamen Projekt: Die historisch und kulturell bedeutsamen, aber bislang schwer zugänglichen und häufig unikal überlieferten Liedflugschriften werden über das DFG-geförderte Kooperationsprojekt „VD Lied digital“ in einem nationalbibliographischen Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugschriften des 16. bis 20. Jahrhunderts mit Zugriff auf die digitalisierten Drucke erfasst. Die Liedflugschriften aus Berlin und Freiburg fügen sich dabei – mit den Flugschriften aus dem Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes Wien – zu einem virtuellen Gesamtbestand von einmaliger Vollständigkeit zusammen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Volksliedarchiv und der Staatsbibliothek zu Berlin hat in den vergangenen hundert Jahren immer wieder zur Verbesserung der Infrastruktur für die Liedforschung beigetragen. Ich bin sicher, dass die erfolgreiche Arbeit des Deutschen Volksliedarchivs durch seine Integration in die Freiburger Albert-Ludwigs-Universität weiter befördert wird. Ich gratuliere dem neugeschaffenen Zentrum für Populäre Kultur und Musik herzlich und freue mich auf weitere fruchtbare Forschungskooperationen!

 

Friederike Schulte, Direktorin des Carl-Schurz-Hauses Freiburg / Deutsch-amerikanisches Institut e.V.

Congratulations aus dem Carl-Schurz-Haus! Als Freiburger Deutsch-Amerikanisches Institut, das 1952 als Amerika Haus gegründet wurde, freuen wir uns außerordentlich über die Kooperation mit dem ZPKM zum 100-jährigen Jubiläum. Einen solchen Partner in der Stadt zu finden mit einem so ausgebreiteten historischen und zeitgenössischen Wissensschatz und fabelhaftem Anschauungsmaterial ist mehr als ein Glücksfall, und mein erster Besuch im ZPKM hat mich tief beeindruckt: Wie viele Anknüpfungspunkte sich finden lassen, um aus dem Bestand des ZPKM auch deutsch-amerikanische Geschichte zu erklären und zu verstehen! So gibt unsere Kooperation auch unserer Institution die Chance, in die eigene Vergangenheit zu schauen: Wie haben Rock’n’Roll, Country, Folk und Pop aus den USA unsere Kultur in Deutschland geprägt? Mehr als 100 Single-Plattencover aus der Sammlung des ZPKM werden unter dem Titel "Vollamerikanisiert." bis Jahresende 2014 im Carl-Schurz-Haus zu sehen sein. – Wir alle kennen Bruce Springsteens gitarrenbewehrten Luftsprung vor dem Star-Spangled Banner. Madonnas keck platinblonde Kringellocken. Prince in blütenweißen Rüschenblusen und mit maliziösem Schmollmund. Tina Turners endlos lange Beine. Janis Joplins zweifelnde Rehaugen. Jonny Cashs nachtschwarzes Sakko. David Hasselhoff – braungebrannt, Tanktop, Brusthaar-Flokati: Vinyl-Plattencover haben Generationen von bundesdeutschen Nachkriegsjugendlichen über Jahrzehnte hinweg das typisch amerikanische Multicolor-Lebensgefühl der Rock- und Popära von 1955 bis 1990 vermittelt und strengen Wächtern über die klassische europäische Hochkultur nicht selten Angst und Schrecken eingejagt.
Gemeinsam mit dem ZPKM begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise und erkunden die prägende US-Musikkultur in der deutschen Vergangenheit und Gegenwart aus transatlantischer Perspektive. Für die inspirierende Zusammenarbeit bedanken wir uns sehr herzlich und wünschen dem traditionsreichen Haus einen "smooth ride" und rasanten Eintritt in eine neue Ära! Auf weitere Projekte mit dem ZPKM freut sich
Friederike Schulte.

 

Prof. Dr. Peter Wicke, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Musik- und Medienwissenschaft
Direktor Forschungszentrum populäre Musik an der Humboldt-Universität Berlin

Zum 100. Jahrestag der Gründung des Deutschen Volksliedarchivs ist nicht nur zurückzublicken auf eine erfolgreiche und in seiner Art einzigartige wissenschaftliche Pionierleistung, die das Volkslied in den reichhaltigen Erscheinungsformen der Überlieferung dokumentiert, bewahrt und einer kritischen Bestandsaufnahme erschlossen hat. Mit dem Ausbau zu einem Zentrum für Populäre Kultur und Musik ist ihm nun ein institutioneller Rahmen gesetzt, der auch in Deutschland die konservative, weil künstliche Trennung zwischen Volkslied und populärer Musik hinter sich lässt. Damit erhält eine verdienstvolle Forschung eine neue und fruchtbare Perspektive, die sie zukunftsfähig macht. Das zeichnete sich freilich in den publizistischen Aktivitäten des früheren DVA schon seit einiger Zeit ab, so dass der Schritt hin zu einem auch konzeptionell weiter gefassten Verständnis des Forschungsgegenstandes nur folgerichtig ist. Der Volksmusikforschung werden diese Impulse aus dem musikalischen Alltag der Gegenwart, der Popmusikforschung eine Vertiefung der historischen Dimension bringen. Die interdisziplinäre Verankerung im Kontext der populären Kultur ist dabei unerlässliche Voraussetzung, um dem vielschichtigen Geflecht von sozialen, wirtschaftlichen, technologischen und medialen Prozessen auf die Spur zu kommen, in die die musikalischen Aktivitäten im Alltag in Vergangenheit wie Gegenwart eingebunden sind. Nur so ist einer Musik gerecht zu werden, die über die Zeiten hinweg und gleich in welchem klanglichen Gewand eine wichtige emotionale und symbolische Ressource für die Bewältigung der Freuden und Zumutungen des Alltags bereitstellt, das Denken und Fühlen des Einzelnen in der Alltäglichkeit seiner Lebensverhältnisse mit der gesellschaftlich vermittelten Produktion seiner Lebenswelt verbindet.

Für das Deutsche Volksliedarchiv bedeutet dieser 100. Jahrestag seiner Gründung damit zugleich ein Aufbruch zu neuen Ufern, für den den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Erfolg zu wünschen ist. Möge das Zentrum für Populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg zu einem Ort werden, an dem die populären Musikformen – vom Volkslied bis zum HipHop und all dem, was der Musikbetrieb in Zukunft hervorbringt – eine kritische Auseinandersetzung erfahren, die ihrem realen Stellenwert in Kultur und Gesellschaft entspricht.

 

Prof. Dr. Hans J. Wulff, Universität Kiel, Filmwissenschaft

Es mag mit der kognitiven Entfernung der Disziplinen zu tun haben, dass ich erst spät auf das "Volksliedarchiv" stieß. Und überrascht war von der Vielfalt der Arbeiten, auf die ich hier stieß. Dass die Themen so sehr an vieles grenzten und sich sogar mit dem überschnitten, was mich als Filmwissenschaftler umtreibt, machte Mut, die Kooperation zu suchen, sich aufeinander zuzubewegen, den Dialog anzustreben. Dass das Archiv so viel älter war als die Filmwissenschaft, dass es sich immer wieder thematisch neu orientiert und jüngst gar neue institutionelle Form gewonnen hat: Das nötigt Respekt ab! In der Hoffnung, dass sich Zukunftsprojekte entwickeln mögen, bleibt der Glückwunsch zu einer langen und eindrucksvollen Arbeit!

 
Jahrbuch des Zentrums für Populäre Kultur und Musik
 
Jahrbuch 2016
 

 

 
Nils Grosch, Carolin Stahrenberg (Hrsg.): "Im weißen Rößl" - kulturgeschichtliche Perspektiven
 
Im weißen Rößl - Populäre Kultur und Musik 19
 

 

 
Fernand Hörner (Hrsg.): Kulturkritik und das Populäre in der Musik
 
Kulturkritik und das Populäre in der Musik
 

 

 
Frédéric Döhl, Gregor Herzfeld (Hrsg.): "In Search of the 'Great American Opera'" : Tendenzen des amerikanischen Musiktheaters
 
In Search of the Great American Opera
 

 

 
Aibe-Marlene Gerdes, Michael Fischer (Hrsg.): Der Krieg und die Frauen : Geschlecht und populäre Literatur im Ersten Weltkrieg
 
Der Krieg und die Frauen
 

 

 
Giacomo Bottà (Hrsg.): Unsichtbare Landschaften : populäre Musik und Räumlichkeit
 
Unsichtbare Landschaften
 

 

Benutzerspezifische Werkzeuge