Dramatizing the crisis
Dieses Forschungsprojekt, durchgeführt von Dr. Giocomo Bottà, untersucht europäische Industriestädte, ausgehend von ihrer Krise in den 1970er Jahren. Diese Krise wurde entweder als schöpferische Zerstörung aufgrund eines technologischen Wandels eingeschätzt, oder aber als ein zyklisches Moment, gleichsam in die Natur des Kapitalismus selbst eingeschrieben. Beide Theorien neigen dazu, kulturelle Ausdrucksformen als bloße Reaktionen auf wirtschaftliche, soziale oder technische Strukturen zu definieren. Dieser Ansatz vernachlässigt jedoch die Rolle der populären Kultur in der Darstellung der Krise.
Angeregt durch die Arbeiten von Antonio Gramsci über die kulturelle Hegemonie (1975) und von Raymond Williams über die Kultur als "Struktur der Gefühle" (1980), sollen die Auswirkungen der Krise auf die Träume, Hoffnungen, Kämpfe, Erwartungen, Aktivitäten, Weltanschauung und Gefühle der Stadtbürger untersucht werden.
Um dies zu erreichen, werde ich mich auf die Rolle der populären Musik konzentrieren, insbesondere in vier verschiedenen europäischen Städten: Turin (Italien), Hamburg (Deutschland), Sheffield (England) und Tampere (Finnland). Auf der inhaltlichen Ebene: Populäre Musik thematisierte die nicht mehr gebrauchten Gewerbe- und Industrieansiedlungen und ihre Auswirkungen auf das Individuum. Auf der räumlichen Ebene: Die Popszene eignete sich diese Gelände an und transformierte diese; lokale Musik-Szenen entwickelten sich in vielen industriellen Zentren.
Populäre Musik initiierte einen Diskurs, der den Industriestädten eine Wiedergeburt als "postindustrielle" oder als "kreativen Zentren" bescherte. Populäre Musik hat den Weg dazu geebnet, dass Kultur als ein Paradigma der wirtschaftlichen Entwicklung darstellt. Die Ergebnisse einer solchen Forschung sind wichtig, auch zum besseren Verständnis der gegenwärtigen Rezession und ihre Wirkung auf die soziale und kulturelle Struktur der ehemaligen Industriestädte.