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Deutsches Volksliedarchiv

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Forschung zum Ersten Weltkrieg

 

1. Forschungsprojekt: Religion - Nation - Krieg.
Der Lutherchoral "Ein feste Burg ist unser Gott" im Ersten Weltkrieg

 

"Ein’ feste Burg ist unser Gott …
Trutzlied, wenn Stürme uns umsausen:
Zum Angstschrei wird der Gegner Spott,

Wo deine mark’gen Klänge brausen!
Kampflied, das Not und Tod beschwor
In alten wie in jüngsten Tagen:
Voll Inbrunst steig’ auch heut’ empor,

Dem Herrgott Siegesdank zu sagen!"

                                                                        Claus von Damberg (1914) 

  

Das Lutherlied "Ein feste Burg ist unser Gott" gehört zu den wirkmächtigsten Gesängen in der deutschen Geschichte. Gedichtet wurde es im 16. Jahrhundert als Glaubens- und Vertrauenslied, aber schon in der Frühen Neuzeit wurde es konfessionell verstanden und als protestantisches Bekenntnislied gesungen.
Mit dem 19. Jahrhundert – im Zusammenhang mit den Befreiungskriegen – beginnt die nationale Aufladung des Chorals, die ihren Höhepunkt im Ersten Weltkrieg erlebte. Damals wurde das Lutherlied im Rahmen militaristischer Propaganda genutzt und durch unterschiedliche Medien verbreitet. Predigten, Erbauungsliteratur, Liedpostkarten und Lyrik zeugen von dieser Verwendungsgeschichte.
Das Forschungsprojekt "Religion, Nation, Krieg" wendet sich diesen Formen nationaler und kriegerischer Deutung im frühen 20. Jahrhundert zu. Diese Form der Liedrezeption wird als eine Form sozialer und kultureller Praxis begriffen, als produktive – und zugleich ideologisch aufgeladene – Aneignung eines geprägten Textes und einer symbolisch aufgeladenen Melodie. Innerhalb des Deutschen Volksliedarchivs steht das Projekt im Zusammenhang mit dem Forschungsmodul "Konstruktion und Repräsentation nationaler und konfessioneller Identität".

 

Dr. Michael Fischer
michael.fischer@dva.uni-freiburg.de

          

    Kriegsgedicht.jpg

 

 Abbildung: Bildpostkarte (1918) und Kriegsgedicht (1917)

 

2. Dissertationsprojekt: Den Krieg sammeln.
Die Weltkriegssammlung "Kriegspoesie" im Deutschen Volksliedarchiv zwischen Alltagsdokumentation und Memorialfunktion

Während des Ersten Weltkrieges wurden in Deutschland über 300 Weltkriegssammlungen von öffentlichen Institutionen und Privatpersonen angelegt: Das Sammeln von Kriegsandenken und ganz besonders der „Papierflut“ der Kriegsdrucksachen wurde zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen. Ausgehend von der Sammlung Kriegspoesie im Deutschen Volksliedarchiv untersucht die Dissertation das Sammeln als kulturelle Praxis und essentiellen Ausdruck des Zeitgeistes 1914-1918.
Auch die Wissenschaft beteiligte sich rege an der Dokumentation der Kriegserscheinungen. Der Verband deutscher Vereine für Volkskunde und mit ihm das neu gegründete Deutsche Volksliedarchiv legten etliche Sammlungen zur sogenannten Soldatischen Volkskunde an. Eine von ihnen ist die Sammlung "Kriegspoesie" (Sign.: Kp). Sie besteht aus über 14.000 Einzelbelegen von in Zeitungen erschienener Kriegslyrik, die zwischen 1914 und 1918 mit Hilfe eines Nachrichtenbüros systematisch vom Deutschen Volksliedarchiv gesammelt wurde. Damit bietet sie die interessante Kombination aus der zeittypischen Sammelbewegung und der Massenware Lyrik, welche während des Krieges schichtübergreifend als Mittel der emotionalen Verarbeitung der Kriegserlebnisse genutzt wurde. Diese Sammlung wirft freilich die Frage auf, welche Wahrnehmungsmuster des Kriegsalltags die Lyrik – als Exempel für die „papierne Flut“ in den Sammlungen – im Spannungsfeld zwischen Propaganda und Zensur widerspiegelte und was daran als sammelnswert empfunden wurde.


Aibe-Marlene Gerdes
recherche@dva.uni-freiburg.de
 

zuletzt verändert: 29.08.2011 13:59
Populäre Kultur und Musik 3
 

Kultur- und kommunikations-
historischer Wandel
des Liedes im 16. Jahrhundert



Erschienen in: Populäre Kultur und Musik,
Band 3

 

 

Lied und populäre Kultur / Jahrgang 56
Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchives

 

jahrbuch_jahrgang_56_2011.jpg

  Lied und populäre Kultur,
Band 56, Original und Kopie

 

 

 

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